Wie umgehen mit menschenabwertenden Äußerungen?

Impulse der Methode "Mo:lab"

Viele kennen sie: Situationen, in denen Aussagen demokratiefeindlicher oder menschenfeindlicher Natur getroffen werden, welche einen erstmal ganz schön hilflos fühlen lassen. Oft rufen derlei Äußerungen Wut hervor: Man hat den inneren Drang, das Gegenüber sofort mit Gegenargumenten überzeugen oder sofort eine veränderte Denkweise bewirken zu müssen. Das kann sich ganz schön stressig anfühlen, vor allem, wenn man dabei den Eindruck gewinnt, gegen Windmühlen zu kämpfen und zu merken, dass das Gespräch ins Nichts führt.

Einen Weg, um mit solchen Situationen umzugehen, zeigt das vom Verein „mo:lab“ entwickelte Konzept der „Dialogbotschafter:innen“. Es soll dabei helfen, gesellschaftlicher Spaltung entgegenzuwirken, indem der Fokus auf den Dialog gesetzt wird. Was sich in manchen Kontexten äußerst widersprüchlich anfühlen mag, wird hier zum Kern des Ganzen:
Nämlich selbstbewusst die eigene Haltung und Position bewahren und dabei trotzdem einen Dialog auf Augenhöhe zu ermöglichen. Wie das funktionieren kann, habe ich mir in einer Fortbildung mit einer der Initiatorinnen selbst, Prof. Mo Asumang angeschaut.

Zunächst haben wir den von Mo Asumang produzierten Film „Mo und die Arier: Allein unter Rassisten und Neonazis“ angeschaut. In dem Film ging Mo, die selber vielfältige Erfahrungen mit Rassismus bis hin zur öffentlichen Morddrohung erlebt hat, mit Rechtsextremen und Rechtsradikalen ins Gespräch. Ihr kommunikatives Mittel der Wahl: Nachfragen. In einem ruhigen Ton fragt sie nach dahinterstehenden Grundsätzen und Motiven: mal ernst, mal auf humorvolle Art und Weise, aber immer auf Augenhöhe zu ihrem Gegenüber. Ihre Neugierde und ihr Zuhören dürfen dabei allerdings nicht gleichgesetzt werden mit Zustimmung! Vielmehr will sie das Gegenüber in die Selbstreflexion mitnehmen und Raum machen für alternative Denkmuster.

Anschließend an den Film machten wir (u.a. körperbezogene) Übungen, um zu sehen, dass unser Standpunkt nicht verschwindet, auch wenn wir uns mal spielerisch aus Neugier herauswagen. Oder dass wir Grenzen ziehen und Respekt einfordern und trotzdem Interesse an einem Dialog signalisieren können: ein „inneres Tai-Chi“.

Wir Teilnehmenden, so mein Eindruck, schwanken während des Tages zwischen Faszination und Skepsis: Was soll das Ziel dabei sein? Wo ziehe ich die Grenze? In welchen Situationen ist es überhaupt angebracht? Warum soll ich dem Gegenüber eigentlich die Hand reichen und mir seine Äußerungen anhören, obwohl ich selbst oder eine bestimmte Personengruppe gerade massiv abgewertet wurde? Wie soll ich denn da nicht wütend werden? Wieso soll ich mich immer wieder um den Dialog bemühen?

Fragen über Fragen. Mo betont, dass es nicht zuletzt darum geht,  bei sich selbst zu bleiben - sowohl in Inhalt als auch in Art und Weise der Kommunikation. Ihrer Erfahrung nach sei es selten von Erfolg gekrönt, sich auf Ping-Pong-Diskussionen einzulassen und noch mehr Polarisierung und Spannung in die Situation zu bringen.

Sie bestätigt hier, was man intuitiv oftmals schon weiß: direkte Überzeugungsversuche führen meistens zu Abwehr, Trotz und Recht-haben-wollen.

Das Ziel der Methode kann also nicht direkt sein, Menschen „umzutrainieren“, sondern vielmehr Möglichkeitsräume zu öffnen bei klarer Haltung.

Zusammenfassend fand ich die Impulse des Tages extrem spannend. Zu betonen ist an dieser Stelle nochmal, dass es sich hierbei um eine Methode handelt, um ein Werkzeug einer Toolbox, die sich vermutlich nicht in allen Situationen eignet, aber sicherlich in einigen Momenten hilfreich sein kann!

Mehr Infos zum mo:lab: 
https://mo-lab.org/