Was hat das Dschungelcamp mit Demokratiebildung zu tun?
„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ – die meisten kennen das RTL-Format, das seit schon seit über zehn Jahren über die deutschen Bildschirme flimmert, zumindest vom Hörensagen. In diesem Jahr sorgte die Ausstrahlung wieder für Einiges an Gesprächsstoff und entfachte eine Menge gesellschaftlicher Debatten: Es ging zum Beispiel um Antisemitismus, Misogynie, das deutsche Rechtssystem, um Cancel Culture und nicht zuletzt um die Frage, wie eine demokratische Dialog- und Konfliktkultur aussieht.
Warum also dieses lebensnahe Thema aus der aktuellen Popkultur nicht als Anlass nutzen, um bei einem Seminar über Demokratiebildung, das sich an die FSJ-ler aus unseren Jugendzentren richtete, über Demokratie zu sprechen?
Aufbau des Seminars
Im ersten Teil des Seminars ging es um grundlegende Verknüpfungen zwischen dem Ich und der Gesellschaft. Dieser Ansatz basiert auf einem weiten Politikbegriff nach John Dewey: Im Gegensatz zum engen Politikbegriff, der den Fokus auf formelle Aspekte wie Regierungsformen, politische Systeme und Funktionsweisen setzt, stellt der weite Politikbegriff die alltägliche Lebenswelt der Menschen und das gesellschaftliche Zusammenleben in den Vordergrund: Das Private ist gleichzeitig politisch.
Einen guten Einstieg, um diese Verbindung sichtbar zu machen, bietet die Beschäftigung mit Werten. Hierzu sollten sich die Seminar-Teilnehmenden zunächst einmal mit der Frage befassen, welche Werte sie kennen, um dann in einem zweiten Schritt zu gewichten, welche Werte in ihrem Leben am wichtigsten sind. Im dritten Schritt wurde dann miteinander geteilt, aus welchen Gründen man sich für bestimmte Werte entschieden hat.
Um den Einstellungen und Haltungen der Seminarteilnehmenden bezüglich gesellschaftspolitischen Themen weiter auf die Spur gehen zu können, wurde die Methode des „Mapping“ benutzt. Auf kleinen Kärtchen sollten sie kurz und knapp zu einzelnen Fragen Antworten notieren, wie zum Beispiel auf die folgenden Fragen:
Was in deinem Leben/auf der Welt findest du so richtig ungerecht?
Welche Frage hast du an die Welt?
Hast du ein Herzensthema?
Wenn du ein Land aussuchen könntest, in welchem du leben könntest, welches Land wäre das?
Wozu sollte es mehr Forschung geben?
Wenn du dir ein wichtiges Talent aussuchen könntest, welches wäre es…?
Im zweiten Teil des Seminartages kam dann das Dschungelcamp ins Spiel! Um den Diskurs über gesellschaftliche Spannungsfelder anzustoßen, wurden Ausschnitte des Dschungelcamps gezeigt, in denen wild gestritten wurde. Anhand dessen wurden Dinge besprochen wie:
Wie geht eigentlich demokratischer Streit? Können verschiedene Dinge gleichzeitig richtig sein? Darf man Menschen, die schon mal vor Gericht angeklagt wurden, weiterhin eine öffentliche Plattform geben? Wie viel Platz lassen öffentliche Debatten für differenzierte Verständigung und wie viele Nuancen fallen hier einem Schwarz-Weiß-Denken zum Opfer?
Im dritten Teil des Tages befassten wir uns mit dem Umgang mit menschenfeindlichen Äußerungen. Hierzu schauten wir zunächst einen Ausschnitt aus dem Film „Mo und die Arier“, um eine von vielen Strategien kennenzulernen, wie man mit Abwertungen umgehen kann. Anschließend widmeten wir uns der täglichen Arbeit der FSJ-ler im Jugendzentrum und sprachen darüber, wie man reagieren kann, wenn im Juz menschenfeindliche Aussagen getroffen werden.
Tolles (kostenfreies!) Material zum Download…
… für die politik- und demokratiebildende Arbeit gibt es übrigens auf der Seite der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie:

